Mein Partner oder ich haben Krebs

Eine solche schwerwiegende Diagnose ruft oftmals Gefühle ungeahnten Ausmaßes hervor. Wut, Trauer, Verzweiflung, manchmal auch Depressionen zeigen sich dann besonders deutlich. Aber nicht nur der oder die Erkrankte hat mit diesen Emotionen zu kämpfen, auch die anderen Familienmitglieder gehen durch eine stürmische Zeit der Gefühle. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass es keine richtigen oder falschen Gefühle gibt. Jede Emotion ist erlaubt und sollte ausgelebt werden. Die Erkrankung wird in vielen Fällen zu einer Belastungsprobe der Beziehung. Zwar hat man das Gefühl, dass Familien durch die Erkrankung näher zusammenrücken, allerdings verbirgt sich auch die Gefahr, dass die Belastung durch Krankheit und Therapie schwelende, manchmal auch unterschwellige Konflikte schneller und heftiger ans Tageslicht holt. In so einem Fall muss man als Paar versuchen, ehrlich miteinander umzugehen und versuchen sachlich die Streitpunkte zu lösen.

Doch wie können sie sich als Partner gegenseitig in dieser Situation unterstützen? Am wichtigsten ist das Interesse aneinander. „Wie geht es Dir“ darf nicht nur als Floskel dienen, sondern soll einen Einstieg in ein klares Gespräch geben. Versuchen sie die Frage ehrlich zu beantworten. Ein „Mir geht es heute nicht so gut, weil...“ ist hilfreicher als „Alles gut“, wenn man jemanden ansieht, dass dem nicht so ist.

Auch gemeinsames Verarbeiten der Erkrankung kann für beide Seiten hilfreich sein. Suchen sie zusammen nach Informationen über den Krebs, über Therapieoptionen und über mögliche Nebenwirkungen. Bereiten sie sich gemeinsam auf das nächste Arztgespräch vor. In einem Gespräch fallen einem häufig noch weitere Fragen ein, die man dem Mediziner gerne stellen möchte. Auch das Finden einer Selbsthilfegruppe kann ein wichtiger Baustein im Krankheitsprozess sein.

Versuchen sie Ruheinseln in ihren Alltag zu bauen, Zeit, die nur sie zwei miteinander verbringen. Hören sie einander genau zu und fragen sich gegenseitig nach ihren Wünschen. Niemand kann Gedanken lesen. Jetzt ist die Zeit gekommen, ihre Wünsche auszusprechen. Sagen und zeigen sie sich, dass sie sich lieben, egal welche Veränderungen noch auf sie zukommen.

Zu den emotionalen Veränderungen kommen natürlich auch die praktischen. Wer kann sich um Haushalt, Kinder und Anfallendes kümmern? Wichtig ist hier eine ausgewogenen Balance. Auf der einen Seite ist es enorm wichtig für den Erkrankten, eine Alltagsnormalität zu wahren, auf der anderen Seite soll man sich nicht scheuen, Hilfe zuzulassen, wenn sie nötig ist. Unter der schwerwiegenden Therapie wird es immer wieder Tage geben, an denen man ganz konkret praktische Hilfe braucht, zum Beispiel Fahrdienste zum Arzt oder auch Geschirrspülen. Seien sie nicht zu stolz, Hilfe anzunehmen. Allerdings sollte der Partner nicht versuchen, alles abzunehmen, um einen strukturierten Alltag möglich zu machen.

Ist man selbst an Krebs erkrankt, fühlt man sich häufig ungerecht behandelt. „Warum ich?“ ist eine der Fragen, die man sich wohl am häufigsten stellt. Wenn man sich selbst ungerecht behandelt fühlt, neigt man dazu, auch andere ungerecht zu behandeln. Dann kann sich schnell ein gut gemeintes Wort anfühlen, wie eine Speerspitze. Nehmen sie sich dann eine Auszeit. Überlegen sie einfach in Ruhe, ob nicht doch ein liebes Wort hinter dem unglücklichen Versuch stand, mit ihnen zu reden. Wenn sie sich bereit fühlen, versuchen sie in einem klaren Gespräch darzulegen, was sie verletzt hat. Manchmal merkt man in er Auszeit allerdings auch, dass man überreagiert hat und kann dann selbst die Gelegenheit nutzen, sich zu erklären.

Ein Eckpfeiler eine Beziehung ist die Sexualität. Auch hier wird es durch die Erkrankung und die Therapie große Veränderung geben. Sprechen sie beide mit ihrem Arzt des Vertrauens über dieses Thema. Versuchen sie sich zu überlegen, welche Verhaltensweisen ihnen ein Gefühl von Nähe geben. Das kann zum Beispiel eine innige Umarmung sein oder das Streicheln der Hände. Suchen sie sich ihr persönliches Rezept der Nähe.

Wenn der Partner an Krebs erkrankt ist man versucht, jegliche seiner eigenen Bedürfnisse denen des erkrankten Partners unterzuordnen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Nur, wenn es ihnen mit sich selbst gut geht, können sie für ihren Partner eine verlässliche Stütze sein. Nehmen sie sich für sich selbst einen Freiraum, den sie mit Dingen füllen, die ihnen gut tun. Das kann ein Abend mit Freunden sein, ein Kinobesuch oder eine Runde Joggen. Sie dürfen auch für sich selbst um Hilfe bitten. Zum Beispiel in dem sie jemanden fragen, ob er die Fenster putzt oder die Kinder für einen Tag mitnimmt.

Fühlen sie und ihr Partner sich dauerhaft überfordert, scheuen sie sich nicht, professionelle Hilfe zu holen. Das können Sozialarbeiter, Psychoonkologen oder auch ihre behandelnden Ärzte sein. Niemand wird allein gelassen!