Wenn das Kind an Krebs erkrankt

Liebe Eltern,

einer der schlimmsten Vorstellungen ist wahr geworden, ihr Kind hat die Diagnose „Krebs“ gestellt bekommen. Vor ihrem Kind, aber natürlich auch vor ihnen und ihrer Familie liegen schwere Zeiten mit vielen Tiefen und einigen Höhen. Viele ihrer Beziehungen werden sich verändern, einige Freundschaften werden brechen – neue werden entstehen.

Sie haben gerade die Diagnose „Krebs“ von den Ärzten mitgeteilt bekommen. Vielen Eltern geht es so, dass sie sich nach dem ersten Gespräch wie betäubt fühlen und viele Sachverhalte durch den Nebel nicht mehr komplett wahrnehmen. Scheuen sie sich nicht, die Ärzte um weitere Gespräche zu bitten. Bereiten sie sich auf das Zusammentreffen vor schrieben sie Fragen, Sorgen und Ängste auf. Bitten sie, um konkrete Ansprechpartner für ihre Nöte. Es ist sehr wichtig, dass sie gut informiert sind. Sie werden für ihr Kind erster Ansprechpartner sein. Versuchen sie mit ihrem Kind und den behandelnden Ärzten und Krankenpfleger ein Team zu bilden.

Einige Untersuchungen und auch die Therapie fordert sehr viel Willen und Durchhaltevermögen von ihrem Kind. Erklären sie ihm daher ganz genau, was auf ihn zukommt. Seien sie ehrlich und sagen sie, welche unangenehmen Nebenwirkungen auftreten können. Je ehrlicher sie sind, desto leichter ist es für ihr Kind, ihnen zu vertrauen.

Ihr Kind muss nun häufig ins Krankenhaus. Überlegen sie ganz pragmatisch, wer bei ihrem erkrankten Kind bleiben kann und wer sich um das Zuhause kümmern kann. Auf vielen Kinderkrebsstationen gibt es die Möglichkeit, neben dem erkrankten Kind zu schlafen. Zudem gibt es sogenannte Elternhäuser, in denen Zimmer oder kleine Wohnungen für Eltern krebskranker Kinder zur Miete angeboten werden.

Gehen sie auf die Bedürfnisse des Kindes ein. Geht es ihm gut, fordern sie es im Spiel heraus. Zudem sollten sie versuchen, bestehende Kontakte zu Gleichaltrigen nicht abreißen zu lassen und zudem den Erkrankten dazu ermutigen, neue Kontakte auf der Station zu finden. Geht es ihrem Kind nicht gut, seien sie einfach für ihn da und zeigen sie ihm, dass sie zusammen die schweren Stunden überstehen. Auch, wenn sie am liebsten jede Sekunde am Bett ihres Kindes verbringen würden, nehmen sie sich bewußt auch kleine Auszeiten, zum Beispiel bei den Mahlzeiten. Sie brauchen etwas Zeit zu verschnaufen und könne gleichzeitig einem „Eltern-Kind-Koller“ vorbeugen.

Gerade Jugendliche fühlen sich oftmals in einer Zwickmühle. In der Natur der Pubertät liegt es, sich vom Elternhaus mehr und mehr abzunabeln. Während einer Krebserkrankung müssen sie dann allerdings hinnehmen, dass sie wieder vermehrt auf die elterliche Hilfe angewiesen sind. Dieser innerliche Konflikt führt nicht selten zu Spannungen zwischen dem Jugendlichen und seinen Eltern.

Eine kindliche Krebserkrankung ist auch für eine Paarbeziehung eine schwerwiegende Herausforderung. Zwar rücken in der Not viele Familien näher zusammen, aber durch die Belastung der Krebserkrankung zeigen sich auch Schachstellen einer Beziehung viel schneller und heftiger. Versuchen sie mit ihrem Partner über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen. Nehmen sie sich ein paar Minuten für sie ganz alleine, um die partnerschaftliche Nähe auch in schwierigen Zeiten zu spüren.

Scheuen sie sich nicht, auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auf der Kinderkrebsstation gibt es Psychologen, Psychoonkologen und Sozialarbeiter, die ihnen ein offenes Ohr anbieten. Aber auch Elterngruppen bieten vielen Betroffenen eine gute Möglichkeit, sich weitere praxisnahe Tipps geben zu lassen.