Leukämie

Leukämie ist eine Krebserkrankung der weißen Blutkörperchen. Leukämie heißt wörtlich übersetzt "weißes Blut". Um zu verstehen was Leukämie eigentlich ist, muss man das Blut und seine Bestandteile kennen lernen. Das Blut eines Menschen besteht aus unterschiedlichen Zellarten. Jede erfüllt eine andere Aufgabe. Blut wird im Knochenmark gebildet und jede Zelle durchläuft mehrere Vorstufen bevor es eine richtige Blutzelle wird. Absterbende Blutzellen werden ständig durch neue ersetzt. Im Blut findet man folgende Zellen:

Rote Blutkörperchen (Erythrozyt): sie transportieren Sauerstoff von der Lunge ins Gewebe und Kohlendioxyd vom Gewebe wieder in die Lunge. Ein Erythrozyt lebt ca. 120 Tage.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten): sie werden nicht nur im Knochenmark gebildet, sondern auch im Thymus, in Lymphknoten und in der Milz. Ihre Aufgabe ist die Immunabwehr, also die Beseitigung von Krankheitserregern und Abfallstoffen. Sie werden zwischen 3 Tagen und mehreren Jahren alt.

Blutplättchen (Thrombozyten): Ihre Aufgabe ist die Abdichtung von Verletzungen. Sie stoppen also Blutungen. Thrombozyten leben ca. 10 Tage.

Die Diagnose Leukämie kann mit Hilfe eines Differentialblutbildes gestellt werden. Hierbei werden die Blutbestandteile unter einem Mikroskop genauer untersucht. Die verschiedenen Blutzellen werden gezählt und ausgewertet. Da die Erkrankung im Knochenmark lokalisiert ist, muss zur endgültigen Diagnose auch das Knochenmark mit Hilfe einer Knochenmarkspunktion untersucht werden. Um das genaue Ausmaß der Erkrankung festzustellen, muss häufig eine sogenannte Lumbalpunktion durchgeführt werden. Bei der Lumbalpunktion wird eine Nadel durch den Rücken in den Rückenmarkskanal eingeführt. Mit Hilfe dieser Nadel kann man nun etwas Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt, absaugen. Diese Flüssigkeit heißt Liquor. Der Liquor kann dann mit Hilfe eines Mikroskops untersucht werden. So kann man feststellen, ob sich schon Leukämiezellen im Liquor nachweisen lassen.

Leukämie wird unterteilt in eine akute und eine chronische Leukämie (CML, CLL), wobei die chronische Form nur sehr selten bei Kindern oder Jugendlichen zu finden ist. Die akute Leukämie kann man noch einmal unterteilen. Es gibt die

- akute lymphatische Leukämie (ALL) und die

- akute myloische Leukämie (AML).

Knochenmarkausstrich bei ALL

Die ALL ist mit 80 % die häufigste Leukämieform im Kindes- und Jugendalter. Die Ursache ist die bösartige (maligne) Veränderung einer Stammzelle von Lymphozyten. Lymphozyten sind eine Untergruppe der Leukozyten, der körpereigenen Abwehr gegen Infektionen. Lymphozyten bekämpfen eine Infektion, in dem sie sogenannte Antikörper herstellen. Diese Antikörper greifen Krankheitserreger im Körper an und machen sie unschädlich. Bei der ALL gibt es noch drei weitere Unterformen. Hier unterscheidet man das Aussehen (die Morphologie) der Zellen noch einmal. Es gibt die Typen L1, L2 und L3. Die Therapie der ALL ist in erster Linie die Chemotherapie. Hier gibt es festgelegte Schemata, nach denen behandelt wird.

In der Mitte siehst du einen leukämischen Blasten

Die ALL wird in vier Phasen therapiert. Zu Beginn wird die Chemotherapie eingesetzt, um möglichst alle Leukämiezellen abzutöten und so die Krankheit in "Remission" zu bringen. Deshalb wird diese Therapie auch remissionserzeugende Therapie genannt. Remission bedeutet, dass die Zahl der weißen Blutkörperchen und die der anderen Blutzellen im Blut und im Knochenmark wieder normal ist. Die zweite Phase heißt ZNS-Prohphylaxe-Phase. In dieser Zeit wird ganz speziell das Zentral-Nerven-System (ZNS) behandelt. Dies geschieht, auch wenn noch keine Krebszellen im Gehirn und Rückenmark gefunden worden sind. Diese Form der Therapie ist gerade bei ALL wichtig, da ALL-Leukämiezellen sich gerne in den Hirnhäuten ansiedeln und dort Metastasen bilden.

Diese Behandlung ist meist eine intrathekale, also direkt ins Gehirn- und Rückenmarkswasser gespritzte Chemotherapie. Manchmal ist auch noch eine zusätzliche Bestrahlung des Kopfes notwendig.

Die zweite Phase der Therapie wird häufig mit der Konsolidierungs- und Intensivierungstherapie, der dritten Phase der ALL-Therapie kombiniert. In der dritten Phase wird eine hochdosierte Chemotherapie genutzt, um alle dann noch verbliebenen Leukämiezellen abzutöten. Die vierte und letzte Phase der Behandlung ist die Erhaltungstherapie. Diese geht meist noch über zwei Jahre, um die Remission aufrecht zu erhalten.

Manchmal kann aber auch eine Knochenmarkstransplantation nötig sein. Hierbei wird gesundes Knochenmark von einem Spender auf den Leukämie-Patienten übertragen. Im Körper des Patienten wird jede Krebszelle, aber auch jede eigene Knochenmarkzelle mit Hilfe einer Hochdosis-Chemotherapie und einer Ganzkörperbestrahlung abgetötet. Dann wird das gespendete, neue Knochenmark als Infusion verabreicht. Während dieser Zeit gelten ganz besondere Maßnahmen, sowohl für den Patienten als auch für seine Familie und Freunde.

AML

Knochenmarkausstrich bei AML

Die AML ist die seltenere Form der Leukämie bei Kindern. Die Ursache der AML ist die bösartige (maligne) Veränderung einer Stammzelle der Myelozyten. Myelozyten sind eine Untergruppe der Leukozyten, der weißen Blutkörperchen. Die sichere Diagnose der AML wird mit Hilfe eines Differentialblutbildes und einer Knochenmarkpunktiongestellt. Eine AML lässt sich noch in die Gruppen M1 bis M7 unterteilen, je nachdem, wie die Zellen unter dem Mikroskop erscheinen. Therapiert wird eine AML hauptsächlich mit Chemotherapie. Auch hier gibt es festgelegte Schemata, mit denen bestimmte chemotherapeutische Medikamente (Zytostatika) verabreicht werden.

Auer-Stäbchen bei AML

With AML, a bone marrow transplantation frequently has to be considered, too. In this procedure, healthy bone marrow is transferred from a donor to a leukaemia patient. However, before this can happen all bone marrow cells in the patient's body have to be killed through a high dose of chemotherapy and full body radiation.

Afterwards, the donated new bone marrow is administered through an infusion. During this time, special measures apply for the patient as well as his family. For further information on bone marrow transplantation, see: