Knochentumore

Knochentumore bilden sich meistens im Inneren eines Knochens, sehr selten bildet sich ein Tumor an der Knochenoberfläche. Bösartige Tumore, die Knochensubstanz bilden werden Osteosarkome genannt. Eine Knochenkrebsform bei der der Tumor aus gänzlich unreifen Zellen besteht heißt Ewing-Sarkom. Der heißt so, weil John Ewing, ein amerikanischer Pathologe diese Form des Krebses als Erster beschrieb.

Ganz wichtig, auch für die Therapie, ist die Unterscheidung zwischen Priamauml;ren Knochentumoren, also Osteo- und Ewing-Sarkom und sekundären Knochentumoren. Diese sekundären Knochentumore sind nur Absiedlungen (Metastasen) von anderen Krebserkrankungen.

Osteosarkom

MRT-Aufnahme eines Osteosarkomeosarkoms im Querschnitt

Das Osteosarkom ist der häufigste bösartige Knochentumor im Kindes- und Jugendalter. Oftmals macht sich ein Osteosarkom mit einer schmerzhaften Schwellung bemerkbar. Das Osteosarkom geht meist von den Metaphysen der langen Röhrenknochen in den Armen und Beinen aus. Die Metaphyse ist der Bereich des Knochens zwischen dem Gelenkende und dem Schaft eines Röhrenknochens. Der Tumor kann über dem Blutweg Krebszellen streuen. Metastasen bilden sich deshalb häufig im Bereich der Lunge. Die erste Verdachtsdiagnose auf einen Knochenkrebs ergibt sich meist aus den Röntgenbildern. Anhand dieser Bilder können bei einem Osteosarkom typische Strukturen am Knochen erkannt werden. Das sind z.B.

- unscharfe Randbegrenzungen des Knochens

- Spiculae

- Codman-Dreieck

MRT-Aufnahme eines Osteosarkoms im Längsschnitt

Eine endgültige Diagnose kann aber nur mit Hilfe der Gewebeuntersuchung (Biopsie) gestellt werden. Um das genaue Stadium und damit die weitere Therapie festlegen zu können, sind noch mehr Untersuchungen nötig. Dies wären z.B. CT, Szintigraphie oder MRT. Die Therapie eines Osteosarkoms beginnt meist mit einer neoadjuvanten Chemotherapie nach festgelegtem Schemata. Neoadjuvant heißt eine Chemotherapie dann, wenn sie vor einer Operation verabreicht wird. Ziel ist zum einen die Verkleinerung des Tumors, um ihn operierbar zu machen, sowie die Abtötung der schon durch das Blut ausgeschwemmten Krebszellen bzw. schon vorhandenen Metastasen. Danach erfolgt die Operation. Bei der Operation entfernt der Arzt möglichst die gesamte Geschwulst und einen Teil des drumherumliegenden gesunden Gewebes.

Mehrere Querschnitte nebeneinander

Es wird versucht eine Amputation ganz zu vermeiden oder eine Umkehrplastik anzuwenden. Manchmal kann der Krebs auch ohne Amputation entfernt werden. Dann ersetzt künstlicher Knochen oder Knochen aus einem anderen Körperteil das entfernte Stück. Nach der Operation wird die Chemotherapie fortgeführt. Dies wird dann adjuvante Chemotherapie genannt. Die Behandlungsform der Bestrahlung wird bei einem Osteosarkom nur in Einzelfällen angewandt, da diese Tumorart nicht sehr strahlensensibel reagiert.

Ewing-Sarkom

Röntgenbild eines Ewing-Sarkoms in der seitlichen Ansicht

Das Ewing-Sarkom ist die zweithäufigste bösartige Knochenerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Oft macht sich ein Ewing-Sarkom mit Schmerzen, Schwellung und Fieber bemerkbar. Die genaue Ursache des Ewing-Tumors konnte von Forschern noch nicht entdeckt werden. Aber es gibt bei Ewing-Sarkom–Patienten häufig eine Veränderung eines Gens auf Chromosom 13.

 

Das Ewing–Sarkom geht vom Schaft der langen Röhrenknochen aus, besonders häufig betroffen sind die langen Röhrenknochen der Beine. Seltener kann es auch zu Tumoren an den flachen Knochen kommen.

Mit Hilfe der Blutbahn kann der Tumor seine Zellen weiter verbreiten. Deshalb sind Metastasen oft in der Lunge oder in benachbarten Weichteilen zu finden. Die Verdachtsdiagnose "Ewing-Sarkom" wird oft mit Hilfe eines Röntgenbildes gestellt.

Anhand dieses Bildes kann man an dem betroffenen Knochen für das Ewing-Sarkom charakteristische Eigenschaften erkennen. Dies sind z.B.

- mottenfraßähnlicher Begrenzung

- Codman-Dreiecke

- Zwiebelschalenphänomene

Die endgültige Diagnose wird mit Hilfe einer Gewebeprobe (Biopsie) erstellt. Diese Gewebeprobe wird von einem speziellem Arzt, dem Pathologen mit Hilfe eines Mikroskops untersucht.

Um eine bestmögliche Therapie vorzuschlagen, muss der Arzt herausfinden, wo der Ursprungsort des Krebses sich befindet und ob und wie er sich ausgebreitet hat. Dafür sind weitere Untersuchungen nötig. Zum Beispiel: CT, Szintigraphie oder MRT. Auch ein Blutbild wird immer gemacht.

Therapiert wird das Ewing-Sarkom zu Beginn mit einer neoadjuvanten Chemotherapie. Neoadjuvant bedeutet, dass die Chemotherapie vor der Operation verabreicht wird. Ziel dieser Behandlung ist es, den Tumor zu verkleinern, um ihn besser operierbar zu machen und Krebszellen abzutöten, die bereits in andere Gewebe vorgedrungen sind. Anschließend erfolgt die Operation. Bei der Operation entfernt der Arzt möglichst die gesamte Geschwulst und einen Teil des drumherumliegenden gesunden Gewebes. Es wird versucht, eine Amputation zu vermeiden oder eine sogenannte Umkehrplastik anzuwenden. Nach der Operation folgen weitere Chemotherapiezyklen und / oder eine Strahlentherapie. Die Strahlentherapie kann hier – im Gegensatz zu einem Osteosarkom – besser eingesetzt werden, da Ewing-Sarkome empfindlich auf Strahlen reagieren. Sie sind also strahlensensibel.

Amputation und Umkehrplastik

Bei einer Amputation wird ein komplettes Körperteil, z.B. ein Arm oder ein Bein, chirurgisch entfernt. Eine Amputation ist häufig dann die Lösung, wenn der Tumor im unteren Teil der Extremität liegt.

Nach einer Amputation muss man seinen Körper erst wieder neu kennenlernen. Und manchmal spielt einem der Körper auch einen Streich und man verspürt Schmerzen in dem abgenommenen Arm oder amputiertem Bein. Diese Schmerzen heißen Phantomschmerzen. Als wahrscheinliche Ursache wird angenommen, dass das Gehirn die nötige Umstellung durch die Amputation nicht sofort umsetzen kann. Phantomschmerzen können sowohl direkt nach der Operation entstehen, aber auch erst Wochen oder Monate später auftreten. Behandelt werden Phantomschmerzen medikamentös (zum Beispiel mit Analgetika) und / oder mit physikalischer Therapie (Massagen, Bäder, Krankengymnastik). Aber auch eine psychologische Behandlung kommt in Betracht. Eine etwas neuere Methode ist die Akupunktur-Behandlung zur Schmerzlinderung.

 

Umkehrplastik

Eine Umkehrplastik kann eine gute Alternative zur Vollamputation sein. Allgemein gesprochen bedeutet eine Umkehrplastik, dass ein Körperteil eine neue, eigentlich nicht von der Natur vorgesehene Funktion erhält. Diese Operation ist möglich, wenn der Tumor im oberen Teil der Extremität lokalisiert ist. Dann wird die gesamte Extremität vom Körper abgetrennt, der gesunde untere Teil jedoch um 180 Grad versetzt wieder an den verbliebenen Stumpf angenäht. So wird aus einem Unterschenkel ein neuer Oberschenkel und aus einem Fußgelenk ein neues Kniegelenk.

Mit Prothese

Nach so schweren Operationen haben viele Kinder und Jugendliche Angst sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Doch genauso wie manche Menschen ihre Glatze mit einer Perücke kaschieren können, gibt es mit Hilfe von Prothesen die Möglichkeit eine Amputation beziehungsweise Umkehrplastik zu verstecken. Eine heutige Prothese hat mit einem Holzbein aus Piratenfilmen außer ihrer Funktion nichts mehr gemeinsam. Heutzutage muß eine Prothese nicht nur die Funktion eines verlorenen Gliedmaße übernehmen, sie muss auch gut tragbar sein und natürlich aussehen. Jeder Betroffenen bekommt eine ganz auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Prothese.

Mit einer Amputation oder mit einer Umkehrpastik wird vieles anders, manches auch schwieriger. Aber dennoch geht das Leben weiter, und zwar besser als man glaubt.

Interview

Kristin mußte ein Arm amputiert werden. Zu ihren Erfahrungen haben wir sie in einem kleinen Interview befragt.

Was für einen Krebs hattest du?

Kristin: Ich hatte einen Knochentumor (Osteosarkom).

Wie alt warst du, als man dir sagte, dass du Krebs hast?

Kristin: Ich war gerade 16 Jahre alt geworden.

Wer oder was hat dir geholfen über den Schrecken der Diagnose hinwegzukommen?

Kristin: Meine Familie und meine Freunde, die immer zu mir hielten. So konnte ich die Zeit im Krankenhaus gut überstehen. Dafür danke ich ihnen von Herzen.

Welche Therapien hast du bekommen?

Kristin: Ich bekam zu Beginn Chemotherapie.

Während einer Chemotherapie geht es einem oft sehr schlecht. Wie hast du diese schweren Tage hinter dich gebracht?

Kristin: Ich habe das getan, was ich am liebsten getan habe und immer noch tue – singen. Da habe ich all meine Aggressionen auf diese blöde Krankheit herausgelassen, alles ausgesungen. Das hat mir Kraft und neuen Mut gegeben.

Mein Tipp: tut das, was euch glücklich macht. Egal, ob es malen, singen oder spielen ist. Es befreit einem von schlechten Ideen, davor aufzugeben. Denn daran darf man NIE denken. Man muss der Krankheit die kalte Schulter zeigen und darf sich nicht klein kriegen lassen. Strebt auf euren Traum zu und vergesst nicht, was ihr noch alles erleben könnt.

Nach der Chemotherapie war deine Leidensgeschichte ja noch nicht zu Ende. Nur ein Jahr nach der Therapie bekamst du die Nachricht von deinem Rückfall. Ein Teil deiner Rückfalltherapie bestand aus der Amputation deines Arms. Wie hast du reagiert, als dir die Ärzte dieses mitgeteilt haben?

Kristin: Ich war natürlich total geschockt und fertig. Aber als meine Familie und Freunde mir sagten, dass sie weiter hinter mir stehen, wusste ich, dass ich nicht aufgeben darf und kämpfen musste – für meine Familie, meinen Freund und ganz besonders natürlich für mich. Nur man selbst kann entscheiden, wie es weiter geht. Ich habe mich für das Leben entschieden.

Gibt es durch die Amputation Einschränkungen in deinem Leben?

Kristin: Nein, absolut gar nicht. Ich schaffe, dass was ich will auch wenn ich nur noch einen Arm habe. Heute habe ich eine abgeschlossene Ausbildung, einen tollen Job, eine eigene Wohnung. Sogar einen Führerschein konnte ich machen.

Möchtest du anderen Kindern und Jugendlichen etwas auf ihren Weg durch die Therapie mitgeben?

Kristin: Glaubt an Euch und gebt dem Krebs nie die Chance stärker zu sein als euer Wille. Glaubt daran, dass es auch wieder schöne Seiten im Leben geben wird. Ihr dürft nur nie, wirklich nie euren Glauben an euch selbst verlieren.

Liebe Kristin, vielen herzlichen Dank für dieses Interview und deine Offenheit.

Falls ihr noch weitere Fragen an Kristin habt, könnt ihr gerne eine E-Mail an winkel@imfl.deschreiben. Wir leiten diese dann an Kristin weiter.