Ernährung

 

Unter dem Begriff "Krebs" versteht man eine große Anzahl von verschiedenen Erkrankungen. Daher gibt es auch nicht "die einzige richtige Ernährung". Für jeden, der an Krebs erkrankt ist, kann eine andere Ernährung richtig und wichtig sein.

Es kommt häufig vor, dass Kinder und Jugendliche während der Therapie kaum oder keinen Hunger haben. Auch nach einer Chemotherapie kann es vorkommen, dass man keinen Hunger hat, weil sich die Mundschleimhaut ablöst. Das Schlucken fällt einem dann besonders schwer.

Manchmal kann man sich, wenn man keinen Hunger hat, mit kleinen Tricks doch noch zum Essen überlisten. Diese Tricks sind

- Iß das, worauf du Appetit hast

- Decke den Tisch hübsch ein

- Richte das Essen besonders schön an

- Iß Speisen, die deinen Magen nicht reizen

Während deiner Therapie kann es häufiger vorkommen, dass du abwehrgeschwächt bist. Das bedeutet, dass dein Körper Bakterien, Viren und Pilze nicht so wirksam abtöten kann. Deshalb musst du in dieser Zeit auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Wir haben dir in einer kleinen Tabelle einige Lebensmittel aufgelistet, die du ohne Probleme essen kannst. Direkt daneben stehen einige Produkte auf die du verzichten solltest.

Ernährungstabelle

Kategorie Unbedenkliche Lebensmittel Bedenkliche Lebensmittel
Fleisch Leberwurst, geräucherte Mettwurst, gut durchgegartes Fleisch Rohes Fleisch, Mett, halbrohes Fleisch
Fisch Fischstäbchen Roher Fisch, Sushi
Nüsse Nusskuchen, Nussschokolade,Nuß-Brotaufstrich Müsli, frische Nüsse
Obst Gut geschältes Obst Kirschen, Trauben, Erdbeeren
Milch Milch aus dem Supermarkt Milch frisch vom Bauern
Eis Eis am Stiel Eis aus der Eisdiele
Eier Gekocht oder gebraten Rohe Eier
Pommes Selbstgemachte Pommes,Mc Donalds, Burger King Imbissstube
Blattsalate Bitte komplett darauf verzichten  
Joghurt Übliche Joghurts Keine probiotischen Joghurts

Falls du eine ausführliche Beratung über deine Ernährung haben möchtest, kannst du dich an die Ernährungsberatung wenden. Sie helfen dir und deinen Eltern gerne weiter.

1. Fette, Öle, Süßigkeiten

2. Milchprodukte, Fleisch, Fisch

3. Getreideprodukte, Kartoffeln

4. Gemüse, Salat, Früchte

5. Getränke

 

Interview

Über das Thema Ernährung haben wir die Ernährungsberaterin Frau Och befragt:

Warum soll ich mich gesund ernähren? Warum reicht es denn nicht aus, Pommes und Schokolade zu essen?

Das Ziel einer gesunden Ernährung ist es, deinen Körper mit allen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen, die er braucht. Um dich gesund zu ernähren, brauchst du viele unterschiedliche Lebensmittel. Du hast bestimmt schon mal gehört, dass Calcium aus Milch, Joghurt und Käse für starke Knochen wichtig ist. Aber Calcium ist nur ein einziger Stoff. In unseren Lebensmitteln sind viele unterschiedliche Stoffe, die verschiedene Funktionen in deinem Körper erfüllen. Viele dieser Stoffe sind von Wissenschaftlern mittlerweile sehr genau untersucht worden.

So weiß man, dass Vollkornprodukte wertvolle Lieferanten von Mineralien, Vitaminen und Ballaststoffen sind, anders als Lebensmittel aus hellem Mehl. Isst du nun Vollkornnudeln oder Vollkornbrötchen, so bekommst du die Ballaststoffe, die wichtig für eine gute Verdauung sind, du bekommst die Vitamine und Mineralstoffe, die unter der Schale sind und den Mehlkörper der deinem Körper Energie liefert. Isst du dagegen ein helles Brötchen, so bekommst du nur die Energie aus dem Mehlkörper aber alle anderen Stoffe fehlen dir.

Um sich gesund zu ernähren, sollte man mehrere Scheiben Brot am Tag essen. Davon sollte die Mehrzahl möglichst Vollkornbrot oder Mehrkornbrot sein. Auch eine Portion Haferflocken oder Müsli ist gut. Wenn du am Tag zweimal eine Tasse Milch oder Kakao trinkst und einen Joghurt oder eine Scheibe Käse isst, hast du auch schon ausreichend Milch und Milchprodukte gegessen. Gut ist es, wenn du am Tag zwei Stücke Obst isst. Ein Glas Saft kann mal ein Stück Obst ersetzen. Dein Mittagessen sollte möglichst aus Kartoffeln, Reis oder Nudeln, einer kleinen Portion Fleisch. Fisch oder Ei und etwas Gemüse bestehen. Wenn du dann zwischendurch noch etwas Möhre oder Paprika knabberst, hast du sogar reichlich Vitamine und Mineralstoffe aus Obst und Gemüse bekommen.

Auch zur Trinkmenge gibt es eine Empfehlung: Um gut mit Flüssigkeit versorgt zu sein, solltest du ca. 5 x am Tag eine Tasse oder ein Glas voll trinken.

Bei dieser Ernährung bist du mit allen lebensnotwendigen Stoffen gut versorgt. Dazu könntest du jetzt noch einen Riegel Schokolade oder ein kleines Tütchen Gummibärchen oder ein Eis essen. Auch eine Portion Pommes zwischendurch ist völlig in Ordnung. Wenn du aber nur Pommes und Schokolade isst, fehlen dir die Vitamine und Mineralstoffe aus den Vollkornprodukten, der Milch, dem Fleisch und aus Obst und Gemüse.

Warum soll ich essen, wenn ich gar keinen Hunger habe?

Ernährungswissenschaftler vergleichen den Körper der Menschen mit einem Auto. Das Auto braucht Benzin um zu fahren, der Körper des Menschen braucht Energie um zu leben, zu wachsen und sich zu bewegen. Die Energie für den Menschen kommt aus den Lebensmitteln, die wir essen.

Im Idealfall hast du genau so viel Hunger, dass du die Menge an Lebensmitteln isst, die du brauchst. Das funktioniert aber bei vielen Menschen nicht. Es gibt Menschen, die haben fast immer Appetit, essen viel mehr als sie verbrauchen und werden übergewichtig. Es gibt aber auch Menschen, die haben keine Lust zu essen, fühlen keinen Hunger, essen daher weniger als ihr Körper braucht und nehmen an Gewicht ab.

Eure Krankheit und der Krankenhausaufenthalt machen euch traurig, ihr habt Schmerzen und fühlt euch elend und euch ist durch die Therapie manchmal auch übel, daher habt ihr oft keine Lust zu Essen. Aber euer Körper braucht weiterhin Energie zum Leben, zum Atmen und zum Wachsen und er braucht auch die Vitamine und Mineralstoffe aus den Lebensmitteln. Daher ist es für euch sehr wichtig auch dann zu essen, wenn ihr euch nicht hungrig fühlt. Besprecht mit euren Eltern und dem Pflegepersonal auf der Station, wie sie euch helfen können, weiterhin zu essen, auch wenn es an manchen Tagen nur kleine Portionen sind.

Ich vertrage keine Milch mehr? Woran liegt das?

Euer Körper muss die Lebensmittel verdauen, damit die Energie und die Vitamine und Mineralstoffe aus den Lebensmitteln frei werden und vom Körper genutzt werden können. Die Verdauung beginnt bereits im Mund, wenn die Lebensmittel von dir gekaut werden. Im Magen wird die Nahrung durch die Magensäure, die aus Salzsäure besteht, in ihre Einzelteile zerlegt. Vom Magen aus gelangt die Nahrung dann in den Darm. Hier wird die Nahrung von verschiedenen Enzymen in so kleine Bruchstücke gespalten, dass diese gut aus dem Darm aufgenommen werden. Durch Bestrahlung oder Chemotherapie kann die Arbeit dieser Enzyme gestört werden. Dann gelangt die Nahrung unverdaut in andere Abschnitte des Darms und verursacht dort Blähungen und Durchfall.

Es gibt zwei Unverträglichkeiten die recht häufig vorkommen: Einmal die Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz). Bei dieser Unverträglichkeit wird euch nach Milchprodukten wie z.B. nach Milch, Kakao, Joghurt und Pudding übel und ihr bekommt Durchfall. Die andere Unverträglichkeit richtet sich gegen Fruchtzucker. Hier verursachen unter anderem Äpfel, Apfelsaft aber auch zuckerfreie Kaugummis und Bonbons Beschwerden. Wenn ihr an einer solchen Unverträglichkeit leidet kann eine Ernährungsberaterin euch und euren Eltern helfen, Lebensmittel zu finden, die ihr mögt und die bei euch keine Beschwerden auslösen. Diese Unverträglichkeiten verschwinden meist einige Wochen nach der Therapie wieder.

Ich nehme immer mehr an Gewicht ab. Woran liegt das? Was kann ich dagegen tun?

Dein Körper ist darauf angewiesen, dass du regelmäßig isst, damit er ausreichend mit Energie versorgt wird. Wenn du nur für kurze Zeit nicht essen magst, kann dein Körper aus eigenen Reserven Energie bereitstellen. Isst du aber für einen längeren Zeitraum nicht genug, sind die körpereigenen Reserven verbraucht und du verlierst an Gewicht. Wenn es dir im Moment schwer fällt ausreichend große Portionen zu essen, kann dein Essen auch energiereicher zubereitet werden.

Die Maßeinheit für die Energie aus dem Essen heißt kcal (Kilokalorie). Eine Tasse Kakao hat zum Beispiel ca. 200 kcal. Wenn dieser Kakao jetzt mit Sahne verfeinert wird, hat er schon 280 kcal. Wenn Du nicht so gerne Sahne magst, kannst du zur Energieanreicherung auch Maltodextrin verwenden. Maltodextrin ist ein weißes Pulver ohne Geruch und ohne Geschmack. Du kannst es in Getränke aber auch in Suppen, Joghurt oder Pudding einrühren.

Wenn du in letzter Zeit Schwierigkeiten hast, normale Portionen zu essen oder wenn du bereits an Gewicht abgenommen hast, kannst du mit deinen Eltern einen Termin bei der Ernährungsberaterin der Klinik vereinbaren. Sie wird dann mit dir zusammen überlegen, welche Möglichkeiten der Anreicherung für dich sinnvoll sind.

Es gibt auch fertige Trinknahrungen in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die dir helfen, deinen Körper ausreichend mit Energie zu versorgen. Wenn du das Pflegepersonal auf der Station oder in der Ambulanz danach fragst, geben sie dir bestimmt welche zum Probieren.

Ich habe gesehen, dass andere Patienten einen Schlauch im Bauch haben, in den sie Nahrung mit einer Spritze einfüllen. Was ist das?

Wenn jemand über längere Zeit nicht ausreichend essen kann, weil ihm dauernd übel ist oder weil er z.B. einen Tumor im Bereich des Halses hat und daher nicht schlucken kann, ist es möglich über diesen Schlauch direkt Nahrung in den Magen zu geben.

Der Fachausdruck für diesen Schlauch heißt Sonde oder PEG. Die Sonde / PEG wir im Rahmen eines kleinen Eingriffs unter Narkose gelegt. Viele Patienten fühlen sich nach Anlage einer PEG viel besser. Vorher konnten sie nicht ausreichend essen, ihr Körper bekam zuwenig Energie, zuwenig Vitamine und Mineralstoffe und sie fühlten sich schlapp und müde. Mit Hilfe der Sondennahrung wird der Körper wieder ausreichend mit den wichtigen Nährstoffen und Energielieferanten versorgt und fühlt sich dadurch kräftiger.

Wenn man eine Sonde hat, heißt das nicht, dass man nichts mehr essen kann. Im Gegenteil, die Lebensmittel, die jemand gerne gegessen hat, kann er auch weiterhin essen. Die Ernährung über die Sonde soll nur das ausgleichen, was an Nahrung bis jetzt gefehlt hat. Viele Kinder und Jugendliche geben sich die Nahrung selbst mit der Spritze. Die Nahrung kann aber auch von Eltern oder vom Pflegepersonal gegeben werden. Wenn die Ernährung über die Sonde nicht mehr nötig ist, wird der Schlauch wieder entfernt.