Viele Menschen sind heutzutage noch de festen Überzeugung, dass eine Krebserkrankung stärkste Schmerzen auslöst, die man nicht behandeln kann. Zum Glück ist das komplett falsch!

Jeder Mensch spürt Schmerz anders und auch die Heftigkeit eines Schmerzreizes ist für jeden verschieden. Aber auch von der Tagesform ist das Schmerzempfinden abhängig. Ist man schon den ganzen Tag über traurig, spürt man den Schmerz schlimmer, als wenn man einen glücklichen Tag erlebt hat.

Man unterscheidet drei Arten von Schmerzen:

 

Haut- und Knochenschmerz (nozizeptiver Schmerz). Dieser Schmerz wird als spitzer oder stumpfer Schmerz beschrieben, der nicht abflaut. Er kommt durch die Reizung der Schmerzrezeptoren in der Haut oder im Knochen zustande. Rezeptoren sind Sender von Botenstoffen, die dem Gehirn das Gefühl "Schmerz" senden.

Eingeweideschmerz (viszeraler Schmerz). Hier senden Schmerzrezeptoren innere Signale an das Gehirn. Der Schmerz kommt häufig schubweise, was man auch kolikartiger Schmerz nennt.

Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz). Nervenschmerzen fühlen sich meistens brennend oder schneidend an. Sie können sowohl plötzlich oder bei Berührung von bestimmten Körperpartien auftreten. Besonderheit an diesen Schmerzen ist, dass herkömmliche Schmerzmittel (Analgetika) nicht gut wirken, Medikamente gegen Depressionen (Antidrepressiva) oder Krampfanfälle (Antiepileptika) aber schon.

 

Kinder und Jugendliche, die an Krebs erkrankt sind, sollen eine genau für sie passende Schmerztherapie erhalten. Das bedeutet, so viele Schmerzmittel wie nötig, aber so wenige wie möglich. Um den besten und schmerzfreien Weg zu finden gibt es das Schmerztherapeuten-Team. Hier arbeiten Ärzte, Krankenpfleger und Psychologen mit Pädagogen, Sozialarbeitern und Seelsorgern zusammen.

Wichtig ist zu Beginn von neu entstandenen Schmerzen herauszufinden, warum diese Schmerzen aufgetreten sind. Denn am besten ist es natürlich die Ursache der Schmerzen zu behandeln und nicht nur das Symptom "Schmerz". Um beurteilen zu können, ob sich der Schmerz unter der Schmerztherapie verändert gibt es Schmerzskalen, auf denen man anzeigen kann, wie stark der Schmerz ist. Am bekanntesten ist die Smiley-Skala.

Die Schmerztherapie beginnt schon im Kopf. Schmerz wird weniger schlimm empfunden, wenn man weiß, was während der Untersuchung mit einem passiert. Auch kann es helfen, wenn eine liebe Person, zum Beispiel Mama oder Papa, während der Untersuchung bei einem ist und die Hand hält. Zusammen kann man kleine Entspannungsübungen machen, die das Schmerzempfinden senken.

Medikamentöse Schmerztherapie

Zum großen Glück für viele Krebspatienten gibt es viele sehr gut wirksame Medikamente gegen Schmerzen. Damit die bestmögliche Therapie gewährleistet wird, sollte man einige Hinweise beachten. Die vom Arzt verordneten Schmerzmedikamente (Analgetika) sollten nach einem festgelegtem Zeitschema eingenommen werden. So ist der Wirkstoff immer gleichmäßig im Blut verteilt. Falls die Schmerzen plötzlich schlimmer werden, sollte immer noch ein Medikament in der Hinterhand sein, um solche Schmerzspitzen zu lindern.

Häufig schon zu Beginn der Behandlung gibt man starke Schmerzmedikamente, so genannte Opioide. Für den Gebrauch von diesen starken Schmerzmedikamenten ist nicht das Stadium der Erkrankung Ausschlag gebend, sondern die Stärke der Schmerzen. Wenn man Opioide nimmt, ist es wichtig, so genannte Supportiva ebenfalls zu nehmen. Supportiva sind Medikamente, die Nebenwirkungen, hier des Schmerzmittels, lindern oder sogar verhindern. Supportiva wirken zum Beispiel gegen Übelkeit oder Verstopfung.

Viele Eltern, aber auch manche Kinder und Jugendliche haben Angst, dass diese starken Schmerzmedikamente süchtig machen. Doch wenn Opioide sachgerecht eingesetzt werden ist eine Abhängigkeit nicht möglich!

Das süchtigmachende Glücksgefühl durch die Opioide stellt sich bei richtiger Anwendung nie ein und verhindert so, dass man weitere Dosen des Medikaments möchte, also süchtig wird.

Der Körper gewöhnt sich aber an die Medikamente, so dass die Nebenwirkungen in ihrer Intensität abnehmen, die schmerzhemmende Wirkung bleibt allerdings gleich. Das bedeutet aber auch, dass man die Medikamente nicht einfach absetzen, also nicht mehr einnehmen kann, sondern man nimmt immer ein bisschen weniger, bis man auf die Medikation komplett verzichtet. So verhindert man Entzugssymptome wie Schwitzen oder Zittern.

Wenn Kinder und Jugendliche nicht schlucken können oder alle Medikamente wieder erbrechen, kann eine Schmerzpumpe Linderung bringen. Eine solche Medikamentenpumpe wird PCA genannt. Die Abkürzung PCA steht für "Patientenkontrollierte Analgesie". Die Schmerzpumpe ermöglicht eine genaue Anpassung der Medikamentendosis an den aktuellen Schmerz. Doch wie macht sie das?

Schmerzpumpen

Die Medikamentenpumpe ist ein kleiner Computer, der steuert, wie viel Medikamente dem Patienten kontinuierlich gegeben wird. Am häufigsten geht das Medikament über einen Katheter, zB. Über den Broviac, in den Blutkreislauf. Bei Schmerzspitzen kann durch einen Knopfdruck eine kleine Extradosis des Schmerzmedikamentes verabreicht werden. Hat man den Knopf betätigt, beginnt die Sperrzeit, also die Zeit, in der man keine weitere Extradosis abrufen kann. So wird verhindert, dass man sich versehentlich zu viel des starken Medikamentes zuführt. Dieses Pumpensystem kann man nicht nur im Krankenhaus verwenden, auch zu Hause kann man die Medikamentenpumpe einsetzen.v